Ein unabgeschickter Brief

Niedersachsen, den 31.05.2016

Liebe Frau W.,

vielleicht überrascht es Sie, dass Ihnen jetzt einen Brief schreibe, wo wir uns doch gerade heute Morgen erst zusammengesetzt und geredet haben.

Aber, und das liegt mir gerade besonders am Herzen, ich möchte Ihnen noch einmal danken.

Als ich Ihnen meine allererste E-Mail geschrieben habe, waren Sie eher zufällig die Empfängerin. Eigentlich hätte ich eine ganz andere Lehrkraft fragen wollen. Da diese aber zurzeit nicht so oft in der Schule war, erschien es mir nicht gerechtfertigt, sie zu behelligen, sodass ich auf Rat einer Freundin Sie als Ansprechpartnerin gewählt habe. Sie hatten mich seit der Mittelstufe nicht mehr Unterricht und deshalb habe ich natürlich mit sehr viel Zweifel bei meiner ersten E-Mail auf den Senden-Button gedrückt – nicht wissend, ob Sie mir überhaupt antworten würden.

Schon in den zwei folgenden Mails haben Sie klar einen Standpunkt bezogen und bemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, mein Problem zu verstehen. Als Sie dann angeboten habe, dass wir uns zusammensetzen können, hatte ich vor allem im Sinn, mein wahrscheinlich merkwürdiges Bild, das durch die E-Mails möglicherweise bei Ihnen entstanden ist, etwas zu korrigieren.

Zwei Tage vor dem Gespräch war ich zuversichtlich, dass Sie mir tatsächlich einen guten, neutralen Rat geben könnten und blickte hoffnungsvoll auf den heutigen Tag.

Einen Tag vor dem Gespräch, also gestern, zweifelte ich plötzlich und hätte am liebsten den heutigen Termin abgesagt. Schon wieder hatte sich etwas in meinem Leben geändert und genau dieses etwas hatte ich ja mit Ihnen besprechen wollen.

Trotzdem (mehr aus der Not, weil ich Sie ja schlecht noch so kurzfristig hätte erreichen können) bin ich heute Morgen aufgestanden und bin zur Schule losgefahren.
In meinem Kopf hämmerten allerdings keinen Fragen mehr, sondern nur noch Wut, Frust, Enttäuschung, Desillusionierung, Resignation, …

Auf dem Weg zur Schule habe ich mehrmals angehalten und immer noch gezögert, wie ich aus dieser Situation herauskommen könnte. Über Probleme reden konnte ich bis heute nicht – schließlich hatte ich bisher immer alles mit mir selbst ausgemacht. Und vielleicht war das ja auch ein Teil des Problems, denn je näher ich der Schule kam, desto eher wurde mir klar, dass ich Ihnen gegenüber entweder nur schonungslos ehrlich sein oder Ihnen komplett abgebrüht ins Gesicht lügen konnte. Der Haken ist nur, dass ich eigentlich gar nicht lügen kann.

In der Schule kamen Sie dann um die Ecke und wirkten so fröhlich, so optimistisch. Und wieder einmal fragte ich mich, ob ich nicht einfach hätte absagen sollen.
Ich befürchte, Sie haben das gespürt, als ich Sie einfach nur fragend angeschaut und sicherlich nicht gerade selbstbewusst-handlungsorientiert vor Ihnen gestanden habe, weil ich selbst total überfordert war. Aber, und das rechne ich Ihnen hoch an, Sie haben sich so viel Mühe gegeben, die Situation zu lockern.

Sie gingen mit mir in den „Dienstbesprechungsraum“– ein Raum, den ich nach acht Jahren Schulzeit auf dem Gymnasium noch gar nicht kannte und der auf den ersten Blick sehr einengend wirkte, weil er kein Fenster, sondern nur eine kleine Dachkuppel hatte.

Wir begannen das Gespräch.

Je länger wir redeten, desto mehr habe ich Ihnen erzählt, was ich nicht mal meinem engsten Freundeskreis erzählt habe: meine Enttäuschung und Frustration über die aktuelle Situation, mein momentanes Gefühl der Unzufriedenheit, meine Angst vor der Fehlentscheidung bezüglich meiner beruflichen Zukunft, aber auch die Belastung aufgrund der häuslichen Situation und ja, sogar meine Heimatverbundenheit und meine gescheiterten Vorstellungsgespräche kamen zur Sprache. Ich habe noch nie so offen mit jemanden über all das geredet.

Die ganze Zeit waren Sie authentisch. Sie haben von Ihrer Familie erzählt, von Ihrem Bekanntenkreis und den Problemen Ihrer Kinder – ganz ohne das Hauptproblem aus den Augen zu verlieren.

Aber, und das war eigentlich das aller wichtigste für mich, Sie haben mich verstanden bzw. mir das Gefühl gegeben, verstanden zu werden. Sie haben nicht wie Ihre Kollegen sinnlose Verschläge gemacht oder mich als total uninformiert hingestellt – nein, am Ende mussten Sie eingestehen, dass es aufgrund der ganzen bestehenden soziologischen und psychologischen Zwänge keinen Ausweg gibt.

„Du musst die Zeit für Dich spielen lassen.“, haben Sie gesagt. Sie wissen, dass Sie damit recht haben, aber ich glaube, Sie haben auch gesehen, dass ich die kommenden 2,5-3,5 Jahre als sehr, sehr lange betrachte.

Letztendlich haben Sie sogar verstanden, was mein Problem mit den Ratschlägen Ihrer Kollegen war. „So eine komplexe Situation lässt sich nicht in drei Minuten erklären.“, meinten Sie und haben mir geraten, aus meiner defensiven Position herauszutreten und den Leuten lieber eine Lüge ins Gesicht zu werfen, als mich auf Diskussionen einzulassen.

Was ich mit diesem Brief aber eigentlich sagen will, ist etwas ganz anderes. Sie waren so authentisch, so lebensnah und so gar nicht weltfremd, wie man es vielen Lehrern immer vorhält. Sie waren da und haben zugehört. Einfach zugehört. Damit waren Sie weiter als Ihre Kollegen und sogar weiter als mein Freundeskreis, der nicht annähernd gesehen hat, wie unzufrieden ich in den letzten Wochen war. „Wirf eine Münze!“, meinte eine Freundin lediglich zu mir und das zeigt, wie recht Sie mit der Aussagen hatten, dass ich meinem Freundeskreis gar nicht alles erzählen muss, weil meine Freunde es möglicherweise sowieso nicht verstehen würden.

Im Endeffekt konnten Sie mir natürlich nicht helfen, sondern auch nur raten, mindestens die 2,5, aber maximal die 3,5 Jahre auszusitzen und nebenbei nach Alternativen zu schauen.

Ich weiß nicht, wie ich mich morgen bei dem Gespräch mit meinem Arbeitgeber entscheiden werde. Gefühlt tendiere ich zu den 2,5 Jahren, aber Sie haben auch das ausgesprochen, was ich objektiv natürlich gedacht habe: „Mit der trialen Ausbildung hast Du ein besseres Gehalt. Nur mit der Ausbildung wirst Du langfristig nicht überleben können.“

Sie haben mehrmals appelliert, nochmal alles zu Hause durchzusprechen. Und ja, natürlich werde ich das tun. Aber das erste, was mich zu Hause erwartet hat, war diese schreckliche Resignation vor der Realität, wieder diese verdammte Frustration und irgendwie auch das Unverständnis. Ich werde mich sehr anstrengen müssen, mit Motivation an die Ausbildung (egal ob normal oder trial) zu gehen. Aber ich weiß nun auch, dass es da draußen immer irgendwo einen Menschen wie Sie geben wird, der mir zuhört, wenn ich ihn darum bitte. Und ich habe bemerkt, dass es wirklich hilft, über Probleme zu reden – nicht um Lösungen zu finden, sondern möglicherweise um in Frieden mit sich selbst vor einem zu großen Problem kapitulieren zu können.

Darum möchte ich mich noch einem in aller Form bei Ihnen bedanken. Sie haben – vielleicht, weil Sie als Mutter mit der Problematik bestens vertraut sind – mehr geleistet als manch anderer Lehrer. Ich bin froh, dass Sie damals nicht nur Ihre eigenen Kinder erziehen wollten, sondern ins Lehramt gegangen sind, denn es gibt nicht viele Lehrer, die so neutral und respektvoll einem Schüler gegenübertreten können.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute, dass auch Ihre Kinder Ihren Weg finden (so wie Sie es angedeutet haben…) und dass Sie immer mit einem so offen Herzen durch die Welt können, das Sie zu einem sehr wertvollen Menschen macht.

Mit dankbaren Grüßen
Kathrin*


* An dieser Stelle sei besonders betont, dass sowohl Marie als auch ich hier unter Pseudonym schreiben, um genau solche Texte anonym veröffentlichen zu können.

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Der „Tatort: Mathematikabitur“ geht weiter!

banner-873109_1920Der Kreis ist eine geometrische Figur,
bei der an allen Ecken und Enden
gespart wurde.
-unbekannt-

… So wie anscheinend auch in der Expertenkommission des niedersächsischen Mathematikabiturs.police-1141050_1920

Nachdem wir in unserem letzten Beitrag über das Mathematik-Abitur berichtet haben, gibt es
nun neue Ermittlungsergebnisse der Abiturkommission unter der Leitung unserer Kultusministerin Frau Heiligenstadt, deren Name nun alles andere als „heilig“ in Erinnerung bleiben wird:

http://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/718429/niedersachsen-senkt-bewertungsmassstab-fur-mathe-abi

Kurz gesagt:
Für das erhöhte Anforderungsniveau wird die maximale Gesamtpunktzahl von 120 Punkten auf 105 Punkte um 12,5% gesenkt, im grundlegenden Anforderungsniveau von ehemals 88 zu erreichenden Punkten auf 77 Punkte um ebenfalls 12,5%.

Wie sah konkret unsere Reaktion dazu aus?

[20:07, 24.5.2016] Kathrin: 12,5%! 🎉
[20:08, 24.5.2016] Marie: Ja voll gut 🎉
[20:09, 24.5.2016] Kathrin: Aber trotzdem ist das für Niedersachsen ziemlich bitter. Was schreibt man denn wohl als Hinweis in die Stark-Hefte für nächstes Jahr mit den alten Abiturklausuren?
[20:10, 24.5.2016] Marie: Leider nicht „Niedersachsen, nicht nur die Schüler sind hier zu blöd!“.
[20:10, 24.5.2016] Kathrin: 😄👍🏻

Denn natürlich freut uns persönlich diese Lockerung, aber wir hätten nicht eine Änderung um 12,5% erwartet. In der Unter- und Mittelstufen wurden so immer die Klassenarbeiten in die besseren Bereiche geschummelt, während es bei uns in der Oberstufe konstant in allen Klausuren hieß: Ich kann leider die Bewertung nicht verändern, weil ich mich wie im Abitur an die 5%-Regelung halten muss.“

*Ironischer Unterton on*
Könnte man da nicht langfristig auch über einen Spielraum von 12,5% nachdenken?
*Ironischer Unterton off*

Im Endeffekt müssen wir nun also abwarten, was uns diese 12,5% konkret bringen. Allerdings würde uns noch interessieren, ob uns die nun nicht mehr erreichbaren 15 Punkte bis zu den ehemals 120 Punkten einfach geschenkt werden (d.h., dass man theoretisch nun 120 von 105 Punkten erreichen könnte) oder ob einige Teilaufgaben anders gewertet werden. mathematics-757566_1920Wenn letzteres der Fall wäre, könnten wir nämlich nur von Glück reden, wenn vielleicht gerade unsere Schwachstellen davon betroffen wären.

Auf jeden Fall werden wir aber wohl bei unseren Freunden im 11. Jahrgang nächstes Jahrgang um Einsicht in die Übungsklausuren bitten, da in Niedersachsen die Prüfungsaufgaben leider nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Neugierig auf die Lösungen sind wir nämlich definitiv!

//Mathematische Grüße von
Marie und Kathrin

Tatort: Mathematikabitur

Hinweis: Da sich dieser Beitrag nur auf niedersächsische Mathematikurse auf erhöhtem Niveau (=Leistungskurse) bezieht, werden die Mathematikkurse auf grundlegegendem Niveau nicht explizit berücksichtigt, sondern nur mit dem Verweis an dieser Stelle auf einen analogen Verlauf erwähnt. Wir erheben keinen Anspruch auf eine vollständige Berichterstattung.


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Die Mathematik ist das Alphabet,  
mit dem Gott
die Welt geschrieben hat.

-Galileo Galilei-

Während der Großteil von Deutschland friedlich den April genießt, wurden die Vorzeichen für unser Mathematikabitur gestellt – und zwar nicht gerade zugunsten der SuS. Um auch den Rest von Deutschland aufzuklären, wollen wir nun den Fall „Mathematikabitur“ neu aufrollen – mit freundlicher Widmung für Pimalrquadrat! 🙂

Werfen wir dazu einen Blick in die Akte:
Tatort: Tausende Klassenzimmer in Niedersachsen und die Gehirne von tausenden Abiturienten
Tatzeit: 30. April, 08.00-13.30 Uhr
Täter: niedersächsisches Kultusministerium
Opfer: Abiturienten und die korrigiernden Lehrkräfte
Motiv: Leistungsfeststellung im Rahmen des Abiturs
Ablauf der Tat:

Um Punkt 08 Uhr wurde den SuS der Pflichtteil (60 Minuten ohne Hilfsmittel mit länderübergreifenden Aufgaben) ausgeteilt, um ihn um Punkt 09 Uhr wieder einzusammeln. Die Hilfsmittel (GTR (bei uns von Texas Instrument der TI-84) und Formelsammlung) werden ausgegeben und anschließend die Aufgaben des Wahlteils verteilt.calculator-988017_1920

Der Wahlteil bestand aus drei Aufgaben mit je zwei Aufgabenvorschlägen:
– Analysis 1A und Analysis 1B
-Stochastik 2A und Stochastik 2B
-Matrizenrechnung 3A und lineare Algebra/analytische Geometrie 3B

Und an dieser Stelle begann der „Skandal“: Die Aufgaben, insbesondere die des Analysis-Teils, waren so formuliert und inhaltlich so komplex verdichtet, dass die SuS deutliche Probleme damit hatten, weil die Zeit für das Verstehen, Finden der Lösungsansätze und die nötige Notation zu knapp kalkuliert worden war. Selbst einige Lehrer mussten am Ende die Aufgaben mit den Attributen „zu schwierig“ bis hin zu „unlösbar“ betiteln. 😮

(Bei Interesse kann an dieser Stelle noch näher auf die Aufgaben eingegangen werden.)

Was nun? calculator-1020044_1920(1)

Während SuS wie wir beide zwar denken, dass die Aufgaben schwierig und die Schwierigkeit auf das Abitur (und bei meinem Lehrer auf die unzureichende Abiturvorbereitung, mit der erst drei Wochen vor den Osterferien begonnen wurde 😳 , Anm. v. Kathrin) zurückzuführen waren, wird in einschlägigen Foren zum Widerstand aufgerufen.

Folge: Zahlreiche Eltern und Schüler, später auch Lehrer, beschweren sich beim niedersächsischen Kultusministerium. Schließlich bekommt die Presse Wind davon und beginnt mit der Berichterstattung (z.B. hier, hier oder hier).

Und nun?

Tatsächlich soll nun die Benotung des Mathematikabiturs herabgesetzt werden – konkrete Punktegrenzen sind noch nicht bekannt.

Was haltet ihr davon? Ist es gerechtfertigt, die Punktegrenze herabzusetzen oder sollte das Kultusministerium lieber zu seinen Aufgaben stehen?

//Mathematische Grüße
von Marie und Kathrin

 

Der Zusammenhang von Erpresso(!) und mündlichen Prüfungen

Ein Lehrer von uns erzählte uns (vermutlich als Vorwarnung für unsere mündlichen Prüfungen) vor den Osterferien im Unterricht, dass einer seiner Schüler während einer mündlichen Prüfung so nervös war, dass er das Wasserglas vor Zittern verschüttet hätte.

Unsere Hypothese: Es lag am Wasserglas, nicht am Schüler – wer weiß, ob das Glas vorher Kontakt zu einem Espresso hatte… 😎

Espresso
Gefunden auf ruthe.de.

Wir haben am Dienstag übrigens erfolgreich unsere mündliche Prüfung im Fach Religion gemeistert – ganz ohne Wasserglas-Katastrophe. 🙂

//Viele Pfingstgrüße
von
Marie und Kathrin

Muttertag und Kinderbörse

Keine Weisheit, teddy-1338928_1920
die auf Erden gelehrt werden kann,
kann uns das geben,
was ein Wort und
ein Blick der Mutter uns gibt…
-Wilhelm Raabe-

Ist es heute nicht ein wunderschöner Maisonntag, der sich perfekt für den Muttertag eignet? 💐
Aus diesen Gründen verbringen wir diesen Tag auf ganz vielfältige Weise (Maries Familie grillt an 🍴, Kathrins Familie lauscht dem neuen Springbrunnen, …).

Für unsere Mütter ist es hoffentlich auch ein sehr schöner Tag – und wenn nicht, haben sie sich  wohl vor einiger Zeit die einmalige Chance entgehen lassen, uns auszutauschen:

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Eigene Aufnahme.

Dieses Bild* ist kein Gag**. Es steckte damals bei uns auf dem Parkplatz des örtlichen Supermarktes und hat nicht nur uns Kinder sehr belustigt. 😀

Und wer weiß, woher die Kinder, die am 01. März Geburtstag haben, wirklich kommen… 😈

//Sommerliche Grüße
von
Marie und Kathrin


* Der Veranstaltungsort der Kinder-Börse wurde aus Rücksicht auf mögliche Mütter und Kinder kaschiert. 😎
Bei Interesse geben wir die Kontaktdaten natürlich -gegen ein geringes Entgeld (Achtung: Ironie! 😛 )- gerne weiter.


** Natürlich werden auf dieser Börse nicht wirklich Kinder verkauft oder getauscht (das wäre bei der deutschen Bürokratie gar nicht möglich! 🙄 , Anm. v. Marie), sondern Kinder-Kleidung, -spielzeug, -bücher usw. verkauft.

 

Das Laufband „Leben“

Nilpferd
Gefunden auf Twitter.

„Der Marathon ist ein Wettstreit zwischen deinem Willen und deinen Möglichkeiten.“
-Jeff Galloway-

 

Neulich habe ich dieses Bild auf Twitter gesehen und irgendwie – vielleicht klingt das jetzt komisch – hat es mich berührt. Ja, dieses einfache Bild von einem Nashorn auf einem Laufband hat mich berührt.

Aber warum?

Generell bin ich mit mir eigentlich ganz zufrieden. Ich möchte niemand anderes sein als ich bin – weder äußerlich noch mental.

Aber in den letzten Wochen drängten sich in meinem Kopf immer mehr drei Fragen in den Vordergrund: Wofür machst du das alles hier eigentlich? Laufe ich nicht eigentlich auf der Stelle? Werde ich meine Träume je erreichen?

Marie hat letzte Woche Englisch (P4) und zusätzlich genauso wie ich Mathematik (P1) geschrieben. Jetzt sind wir mit unseren schriftlichen Prüfungen durch und es stehen uns nur noch die mündlichen Prüfungen bevor. 🙂

Darauf bin ich auch stolz, dass ich es bis in die Oberstufe geschafft habe und nicht am System „Gymnasium“ gescheitert bin. Aber nach acht Jahren gymnasialem Schulunterricht frage ich mich einfach, worauf ich eigentlich hingearbeitet habe.

Als ich mich letzte Woche seit Langem mal wieder mit einer sehr guten Freundin getroffen habe, haben wir uns über unser Leben unterhalten. Sie musste aus familiären Gründen vor mehreren Jahren in ein anderes Bundesland umziehen, demzufolge das Gymnasium wechseln und hat schließlich vor der bayerischen gymnasialen Oberstufe bzw. dem damit für sie verbundenen Lernaufwand kapituliert. Derzeit arbeitet sie als ungelernte Kraft, ist zufrieden mit ihrem Einkommen und erzählte mir, wie gut es ihr ohne die Schule ginge.

Natürlich kann ich sie irgendwie verstehen. Ohne das strenge Reglement der Schule und mit einem festen Monatseinkommen lebt es sich sicherlich gut, aber ich teile ihre Ansicht nicht, dass sie partout nicht mehr lernen oder etwas mit der Schule/dem Bildungssystem zutun haben wolle.
Klar, ich habe vor der Mathematik-Klausur auch das ganze Lernen und Wiederholen verflucht, aber mir fallen immer irgendwelche Fragen ein, die mich motivieren, weiterzulernen:

  • Kann man bei einer Schildkröte ein EKG schreiben?
  • Könnte man mit methanfressenden Bakterien einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten?
  • Wieso heißt n! eigentlich n-Fakultät?

Kurz gesagt: Ich bin noch nicht so weit, dass ich mich stur einer Ausbildung hingeben und nur eine Fachrichtung vertiefen möchte.

Damit komme ich auch auf meine Beitragsausgangsfrage zurück:rock-307236_1280
Wofür bin ich zwölf Jahre zur Schule gegangen, um nun nach zwölf Jahren allgemeinbildendem Unterricht mein Wissen nur in eine Fachrichtung auszubauen? Warum muss ein Studium (sozusagen mein Poster aus dem Bild), das mir im Rahmen eines fächerübergreifenden Bachelor „Lerngelegenheiten“ (Zitat meines Lateinlehrers) verschaffen würde, für ein Kind aus einer Nicht-Akademiker-Familie mit so hohen Hürden verbunden sein? Bin ich am Ende vielleicht das Nashorn, dass einem unerreichbaren Traum hinterher eilt?

Ich weiß es nicht.icons-842846_1920
Fest steht für mich nur, dass es die Hauptsache ist, weiterzugehen und nicht einfach auf dem sich kontinuierlich bewegenden Laufband „Leben“ stehen zu bleiben. Vielleicht finde ich ja irgendwann doch noch den Knopf, mit dem ich die Geschwindigkeit so einzustellen kann, dass ich mein Ziel erreichen werde.

 //Sonnige Grüße ☀
zum Start in den Mai
von Kathrin